Kasinostraße: Was die Verkehrssimulation nicht zeigt

Der Radentscheid ergänzt Darstellung des Darmstädter Echo vom 29.09.26 und fordert fairen Vergleich der Varianten unter regelkonformen Bedingungen.

Der Artikel „Wie Darmstadt in die Zukunft des Verkehrs blickt“ im Darmstädter Echo vom 29. September 2026 beschreibt ausführlich, wie das Mobilitätsamt Verkehrssimulationen als Grundlage für Planungsentscheidungen einsetzt. Auch die Planung der Kasinostraße wird dabei als Beispiel genannt. Der Radentscheid Darmstadt begrüßt grundsätzlich, dass Verkehrsplanungen auf Daten und Simulationen gestützt werden. Die Darstellung im Artikel lässt bei der Kasinostraße jedoch einen entscheidenden Punkt der bisherigen Kritik des Radentscheids offen.

Im Echo heißt es, für die Kasinostraße seien zahlreiche Kreuzungen, Fahrstreifen, Ampelschaltungen und Verkehrsströme simuliert worden. Ziel sei es, eine sichere Radverkehrsführung zu schaffen und zugleich die Funktionsfähigkeit für Auto-, Bus- und Radverkehr zu erhalten. Entscheidend ist deshalb die Frage, was in dieser Simulation tatsächlich berücksichtigt wurde – und was nicht.

Nach der aktuellen Planung soll auf rund 60 Prozent der Kasinostraße eine geschützte
Radverkehrsführung entstehen. Vor und hinter nahezu jeder Kreuzung wird dieser Schutz jedoch wieder unterbrochen, um Abbiegespuren oder eine zweispurige Führung des Kfz-Verkehrs zu ermöglichen. Ausgerechnet an den konfliktträchtigsten Stellen verlieren Radfahrende damit ihren Schutz.

Auf Fragen im Mobilitätsausschuss hat die Stadt zugleich bestätigt, dass die Simulation den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern beim Überholen von Radfahrenden und die daraus entstehenden Wechselwirkungen mit dem Kfz-Verkehr nicht abbildet.

Genau darin liegt das Problem: Wo der vorhandene Querschnitt kein regelkonformes Überholen zulässt, können Auto und Fahrrad nicht einfach ungehindert nebeneinander fahren. Autofahrende müssen hinter dem Radverkehr bleiben oder zum Überholen den benachbarten Fahrstreifen nutzen.

„Eine Simulation kann nur das zeigen, was sie auch berechnet. Es kann keine Planungsgrundlage sein, dass eine Variante rechnerisch gut funktioniert, weil Autos im Modell ungehindert an Radfahrenden orbeifahren können, obwohl der dafür notwendige Platz auf der Straße fehlt“, erklärt der Radentscheid Darmstadt.

Der Radentscheid fordert deshalb einen fairen Vergleich zweier Varianten: der durchgehend geschützten Radverkehrsführung und der derzeit geplanten Lösung mit ihren zahlreichen Unterbrechungen. Für beide Varianten muss regelkonformes Verhalten zugrunde gelegt werden – einschließlich des erforderlichen Überholabstands und der daraus folgenden Verzögerungen und Fahrstreifenwechsel.

Das ist auch eine Frage guter Straßenraumgestaltung. Wenn Markierungen den Eindruck vermitteln, Auto und Fahrrad könnten gleichzeitig nebeneinander fahren, muss dafür auch ausreichend Platz vorhanden sein. Einen Radfahrstreifen in einen zu engen Straßenquerschnitt zu zwängen und die Lösung des daraus entstehenden Konflikts anschließend dem einzelnen Verkehrsteilnehmer zu überlassen, ist keine überzeugende Planung. Da hilft es auch nicht, sich auf veraltete Regelwerke bzw. auf überholte Interpretationen derselben zu berufen.

Das Mobilitätsamt betont selbst, man beziehe sich bei der Kasinostraße „ausschließlich auf die Datenlage“. Gerade deshalb sollte der Variantenvergleich auch die tatsächlichen rechtlichen und räumlichen Bedingungen auf der Straße berücksichtigen.

Wenn sich dann selbst in der Spitzenstunde kein nennenswerter Vorteil für den Kfz-Verkehr durch die zusätzlichen Abbiege- und Fahrspuren ergibt, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, dafür die geschützte Radverkehrsführung immer wieder zu unterbrechen. Dann muss der Radverkehr durchgehend geschützt geführt werden.

Der Radentscheid fordert die Stadt daher auf, die beiden Varianten unter gleichen und
regelkonformen Bedingungen zu vergleichen und die Ergebnisse transparent vorzulegen.

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