Kidical Mass zum Weltkindertag

Die Kidical Mass rollt am Sonntag, 20. September 2020 zum Weltkindertag wieder durch Darmstadt. Die Fahrraddemonstration für die ganze Familie macht darauf aufmerksam, dass gerade Kinder sichere Radwege brauchen, um selbstständig an ihre Ziele wie Schule, Freunde und Freizeitveranstaltungen zu kommen.

„Wir treffen uns am Sonntag, 20. September ab 15:30 Uhr auf dem Karolinenplatz und starten gemeinsam um 16:00 Uhr. Die Polizei sichert die Fahrraddemostration ab, zusätzlich setzen wir Ordner_innen ein“, erklärt Ingo Sauer, der die Demonstration für die Initiative Radentscheid angemeldet hat und selbst Vater zweier Kinder ist.

Gemeinsamer Start vom Karolinenplatz. Treffpunkt. Sonntag, 15:30 Uhr. Abfahrt: 16:00 Uhr

Dieses Jahr ist die Kidical Mass zum Weltkindertag und im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche eine Aktion, die in ganz Deutschland und darüber hinaus parallel stattfinden wird. In 95 Städten rufen 155 Bündnispartner_innen zu 105 Demonstrationen auf. „Die breite des Bündnisses macht deutlich, wie dringend die Verkehrswende überall notwendig ist. Sichere Radwege helfen allen Menschen von A nach B zu kommen und sind gerade mit Blick auf die Klimaziele dringend notwendig“, ordnet David Grünewald, ein und Sauer fügt hinzu: „Mehr Freiräume zum Bewegen und Fahrradfahren haben in Corona-Zeiten eine noch höhere Bedeutung bekommen“.

Hygienekonzept

Auch für die Kidical Mass gelten die bekannten Infektionsschutzmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts. Erwachsene sind aufgerufen, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Das gilt auch für Kinder, sofern es ihnen altersbedingt schon möglich ist. Die Gruppe wird während der Fahrt Abstand zueinander einhalten und nur Familien, die auch sonst miteinander wohnen, können näher beieinander fahren. Desinfektionsmittel für Hände wird zu Verfügung gestellt. Es ist aber ratsam, eine Reisegröße für den persönlichen Gebrauch zu nutzen.

Frühere Fahrt der Kidical Mass, hier über die Frankfurter Straße

Darmstadt als Vorreiterin

Sowohl die Kidical Mass als auch die Radentscheid-Bewegung nahm ihren Ausgangspunkt mit in Darmstadt. Im Jahr 2018 war Darmstadt nach Bamberg und Berlin die dritte Stadt bundesweit, in der Unterschriften für einen Radentscheid gesammelt wurden. Die ersten Veranstaltungen unter dem Namen Kidical Mass wurden 2017 und 2018 in Berlin, Darmstadt, Stuttgart und Köln organisiert. Mittlerweile ist die Bewegung kräftig gewachsen und es werden Radentscheide in 39 Orten organisiert, die bis August 2020 gemeinsam über 746.675 Unterschriften gesammelt haben.

Hintergrundinformationen

  • 85 Prozent der Befragten in den Großstädten und 74 Prozent insgesamt würden Kinder nur mit schlechtem Gefühl allein Fahrradfahren lassen (ADFC-Fahrradklima-Test 2018)[1].
  • Dahingegen wünschen sich 92 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine bessere Erreichbarkeit für Orte zum Draußenspielen, u.a. durch sichere Radwege (Deutsches Kinderhilfswerk, Kinderreport 2020,)[2].
  • Am sichersten fühlen sich (selbst) Erwachsene, wenn Rad- und Autoverkehr baulich voneinander getrennt sind (Der Tagesspiegel, Straßencheck 2020)[3].

[1] ADFC Bundesverband e.V.: Dossier zum Fahrradklima-Test 2018: https://www.adfc.de/dossier/dossier-zum-fahrradklima-test-2018/, Abruf 12.08.2020

[2] Deutsches Kinderhilfswerk: Kinderreport Deutschland 2020, S. 25: https://www.dkhw.de/schwerpunkte/kinderrechte/kinderreport-2020-die-bedeutung-des-draussenspielens-fuer-kinder/; Abruf 12.08.2020

[3] Der Tagesspiegel: Straßencheck 2020: Solche Straßen will Berlin, 06.07.2020: https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/strassencheck-ergbnisse-diese-strassen-will-berlin/; Abruf 12.08.2020

Weitere Informationen zur bundesweite Aktion unter: kinderaufsrad.org

Forderungen von Klimaentscheid und Radentscheid miteinander vereinbar

DARMSTADT In einer gemeinsamen Pressemitteilung der grün-schwarzen-Koalition der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung wird behauptet, dass die Klimaentscheid-Forderung einer Umgestaltung von Hauptverkehrs- und Nebenstraßen gegen die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Stadt Darmstadt und der Initiative Radentscheid stehe.

Diese Behauptung ist falsch, das Gegenteil ist der Fall. Die Umgestaltung der Hauptverkehrsadern ist mit dem Ziel B2 und die der Nebenstraßen mit Ziel B5 sogar expliziter Teil der Radstrategie. „Die Ziele aus dem Mobilitätsbereich sind sehr gut mit den bisherigen Verhandlungsergebnissen vereinbar und würden die Ziele der Radstrategie und der Leitlinien Nahmobilität weiter stärken“, erläutert David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt. „Einige der Ziele des Klimaentscheides mögen für die Stadtregierung zeitlich zu ambitioniert sein, inhaltlich finden diese unsere volle Unterstützung. Der Radentscheid steht den Zielen des Klimaentscheids nicht im Weg!“

Die Mitglieder des Radentscheids zeigen Unverständnis über den plumpen Versuch, die beiden Bürgerbegehren gegeneinander auszuspielen.

„Die Pressemitteilung der Regierungskoalition lässt auf Unkenntnis der Radstrategie und der Verhandlungsergebnisse des Radentscheids schließen. Wir hoffen, dass sich die Koalition mit den weiteren Themengebieten eingehender befasst hat als mit den Mobilitätszielen des Klimaentscheids“, so David Grünewald abschließend.

Zusatzinfos

Auszüge aus der städtischen Radstrategie

  • B2. Qualitätsoffensive Radverkehrsanlagen an Hauptverkehrsstraßen: Alle Hauptverkehrsstraßen werden nach Möglichkeit ERA-Konform gemäß B1 mit Radverkehrsanlagen ausgestattet. Darüber hinaus setzt die Wissenschaftsstadt Darmstadt auf die Entwicklung eines Qualitäts-Radnetzes. Im Qualitätsnetz sollen Radfahrende entlang von Hauptverkehrsstraßen auf eigenen Radverkehrsanlagen baulich getrennt vom Kfz-Verkehr und vom Fußverkehr geführt werden. Die Radverkehrsanlagen sollen so ausgestaltet sein, dass komfortabel überholt werden kann (Regelbreite bei Einrichtungsverkehr 2,30 Meter laut ERA 2010) und missbräuchliches Befahren und Halten durch Kfz-Verkehr verhindert wird.
  • B5. Qualitätsoffensive Nebennetz / Fahrradstraßen: Die Wissenschaftsstadt Darmstadt überarbeitet das bestehende Konzept „Fahrradstraßen“ und schreibt es fort. Fahrradstraßen sollen ein positiver Beitrag für eine einladende Infrastruktur sein. Mit einer durchgehenden Fahrgassenbreite von 4 Metern sollen ein gesichertes Vorbeifahren am parkenden Kfz-Verkehr und ein komfortables Nebeneinanderfahren möglich sein. Auch im übrigen Nebennetz soll die Verbesserung des Radverkehrs gemäß den Regelwerken angewendet werden. Dies betrifft Punkte wie Querungshilfen, modale Filter, Sichtbeziehungen an den Knotenpunkten oder ausreichende Sicherheitsabstände zum parkenden Kfz-Verkehr (Autotürbreite).

34 Fahrradmaßnahmen für Darmstadt

Die Verkehrswende nimmt jetzt richtig Fahrt auf. Zusätzlich zu den 5 Verkehrsversuchen, die am Montag veröffentlicht wurden, gehen wir mit 34 weiteren Maßnahmen im ganzen Stadtgebiet ins Rennen.

Auf der Agenda stehen:

  1. Raddirektverbindung DA/FFM/Wixhausen
  2. Fahrradstraße Schreberweg
  3. Radführung Arheilger Str. / Schreberweg
  4. Fahrradstraße Alsfelder Str
  5. Radführung Bürgerpark
  6. Aufwertung Fahrradstraße Pankratiusstr.
  7. Radführung Jägertorstr
  8. Geh/Radweg Kranichsteiner Str
  9. Radweg Waldkolonie Riedbahn
  10. Fahrradstraße Im Harras
  11. Radführung Mainzer Str/Pallaswiesenstr.
  12. Fahrradstraße Mornewegstr.
  13. Radführung Bleichstr. / Steubenplatz
  14. Radführung Grafenstraße, bei Klinikum
  15. Radführung Zeughausstr.
  16. Radführung Dieburger Str.
  17. Radführung Rheinstr. West
  18. Radführung Rheinstr. Ost
  19. Radführung Landgraf-Georg-Str.
  20. Kreuzung LGS / Pützer / Teichhaus
  21. Geh/Radweg Albert-Schweitzer-Anlage
  22. Radführung Hügelstr
  23. Finaler Ausbau Zimmerstraße
  24. Radführung Teichhausstr
  25. Querung Eschollbrücker / Albert-Schweitzer-Anlage
  26. Radführung Eschollbrücker
  27. Radführung Heinrichstraße
  28. Radweg Roßdorf
  29. Radführung Heidelberger Str./ Hermannstr
  30. Geh/Radweg Heidelberger Str./ Cooperstr.
  31. Radführung Heidelberger Landstr.
  32. Radführung Ludwigshöhviertel
  33. Fahrradstr. Heinrich-Delp-Str
  34. Radführung Pfungstädter Str.
  35. weitere Maßnahmen (Kleinprojekte, Radparken, Deckensanierungen usw.)

Weitere Informationen

Radentscheid, KlimaEntscheid, ADFC und VCD Darmstadt-Dieburg sowie Fridays for Future begrüßen Verkehrsversuche / Demo auf der Kasinostraße am Montag, 10. August ab 17:00 Uhr

DARMSTADT Die Bürgerinitiativen Radentscheid und KlimaEntscheid Darmstadt, Fridays for Future sowie der ADFC und VCD Darmstadt-Dieburg loben die ambitionierten Pläne der Wissenschaftsstadt zum zügigen Ausbau des Radverkehrsnetz in Darmstadt. „Die Pop-up-Radwege schließen gefährliche Lücken im Netz und sorgen so für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden“, lobt David Grünewald vom Radenscheid.

In der Zeughausstraße (Cityring) wird 2020 ein allgemeiner Fahrstreifen in einen Radfahrstreifen umgewandelt. Das gleiche gilt im Kreuzungsbereich Bleichstraße/Steubenplatz, auf der Neckarstraße und Heidelberger Straße (ab Heinrichstraße Richtung Norden), der Eschollbrücker Straße und in der Fahrtrichtung Süden im Kreuzungsbereich Roßdörfer Platz wo ein Fahrstreifen dem Radverkehr zugeschlagen wird. Die Maßnahmen werden kurzfristig als Verkehrsversuch mit gelbem Baustellenmarkierungen umgesetzt. Am Ende des Versuchs werden weiße Dauermarkierungen aufgebracht.

„Der ADFC Darmstadt-Dieburg freut sich, dass die Stadt Darmstadt dem Beispiel zahlreicher Städte folgt und zusätzliche Verkehrsflächen für den Radverkehr zur Verfügung stellt. Wie bei unser Aktion Abstand halten beim Überholen von Radfahrer*innen der sich nach Darmstadt und Roßdorf immer mehr Städte und Gemeinden im Landkreis Darmstadt-Dieburg anschließen, bauen wir auf die Rücksicht der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Die Sicherheit und das Leben von Radfahrer*innen muss gelegentliche Verzögerungen im Verkehrsablauf wert sein“, erklärt Klaus Görgen vom ADFC Darmstadt-Dieburg.

„Mit den neuen Verkehrsversuchen zeigt die Stadt außerdem, dass sichere Radwege ganz schnell und unkompliziert eingerichtet werden können“, fügt Heike Böhler vom Klimaentscheid hinzu. „Dieses Mittel können wir nun auch in Zukunft nutzen, zum Beispiel, um einen sicheren Radweg in der Kasinostraße zu testen. Durch die Testphase kann viel Planungszeit gespart und neue Maßnahmen direkt im Praxistest verbessert werden.“ Die Kasinostraße verfügt im fraglichen Abschnitt über einen rund 70 cm breiten Streifen für den Radverkehr und in Gegenrichtung über einen gemeinsamen Geh- und Radweg als enge Konfliktfläche.

Demo zu Popup-Radwegen: Kasinostraße

🕔 Heute, 17 Uhr
⤴️ Kasinostraße, zwischen Pallaswiesenstraße und Frankfurter Straße

VCD, ADFC, Radentscheid, KlimaEntscheid und Fridays for Future veranstalten heute eine Fahrraddemo zu Pop-Up-Radwegen und den neuen Entwicklungen dazu

Komm vorbei, bitte trage eine Mund-Nase-Bedeckung und bring dein Fahrrad mit!

Demonstration für Popup-Radwege in der Kasinostraße, zwischen Frankfurter Straße und Pallaswiesenstraße: Montag, 10. August 2020, 17:00 Uhr

DARMSTADT Am Montag, 10. August 2020 demonstrieren die Verkehrsinitiativen ab 17:00 Uhr auf der Kasinostraße im Abschnitt zwischen Pallaswiesenstraße und Frankfurter Straße für einen geschützten Radweg. Dazu trennen die Aktiven je einen Fahrstreifen mittels Leitkegeln vom übrigen Verkehr ab.

„Auch die Frankfurter Straße und Kasinostraße brauchen geschützte Radwege für ein sicheres Miteinander im Straßenverkehr. Mit der Demonstration zeigen wir, wie diese aussehen können und wie wichtig sie für die Verkeheswende sind“, so David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt. „Jede*r Radfahrende auf den Straßen Darmstadts ist ein*e Parkplatzsuchende*r weniger in der Stadt“, betont Sabine Crook vom VCD-Darmstadt und führt weiter aus. „Autofahrende sollten Menschen auf dem Rad nicht als Gegner sehen, sondern viel mehr als Entlastung sowohl auf der Fahrbahn, als auch bei den begrenzten Parkplätzen in der Stadt”. Durch die nun entstehenden Pop-Up-Radwege trauen sich mehr Menschen aufs Rad und entlasten somit die Autofahrenden, die wirklich aufs Auto angewiesen sind.

Auch „Fridays for Future“ begrüßt die Aktion: „Wir haben uns schon zu Beginn der Pandemie den Forderungen nach Pop-Up-Radwegen angeschlossen. Wir sehen große Vorteile: Die zusätzlichen, breiteren Randstreifen bieten Sicherheit vor Infektionen und Unfällen. Außerdem sind sie ein erster Schritt Richtung Verkehrswende – ein notwendiger Baustein zur Bekämpfung der Klimakrise”, sagt Silas Bug.

Mahnwache für getöteten Radfahrer an Kreuzung Frankfurter Straße/Kasinostraße: Donnerstag, 4. Juni 2020, 18:00 Uhr

DARMSTADT Am Freitag, 8. Mai 2020 ist ein Radfahrer auf der Kreuzung Frankfurter Straße/Kasinostraße von einer Straßenbahn erfasst und zu Fall gebracht worden. An seinen schweren Verletzungen ist der Radfahrer zwischenzeitlich verstorben.

Die Bürgerinitiative Radentscheid Darmstadt lädt zu einer Mahnwache am Donnerstag, 4. Juni 2020 ab 18:00 Uhr an der Unfallstelle in der Kreuzung Frankfurter Straße/Kasinostraße ein.

An der Unfallstelle wird ein Ghostbike aufgestellt. Das weiß lackierte Fahrrad wird im Gedenken an den Verstorbenen aufgestellt und soll als Mahnung für alle Verkehrsteilnehmenden dienen, mit ständiger Vorsicht und gegenseitiger Rücksicht am Straßenverkehr teilzunehmen.

Ghostbike in der Heidelberger Landstraße (2018)
Ghostbike in der Kirchstraße am Cityring (2019)

Medienberichte

Demo für 1,5 m Überholabstand: Freitag, 29. Mai, 11:45 Uhr

Liebe Unterstützer*innen,

am morgigen Freitag steht unsere nächste Radentscheid-Aktion ab 11:45 Uhr in der Klappacher Str. 172 an. Zusammen mit dem ADFC, der HEAG mobilo und der Stadt Darmstadt weisen wir auf die neue Regelung zum Überholabstand hin. Mit der StVO-Novelle ist jetzt erstmals verbindlich vorgeschrieben, dass Radfahrende und Fußgänger*innen innerorts nur noch überholt werden dürfen, wenn mindestens 1,5 m Abstand gehalten wird, außerorts sind es wegen der höheren Geschwindigkeiten sogar mindestens 2,0 m. Nicht allen Verkehrsteilnehmenden ist das bewusst. Deshalb fahren ab sofort einige Busse der HEAG mobilo mit passender Beklebung durch die Stadt, die auf die neuen Regeln aufmerksam macht.

Am Freitag Vormittag stellen wir die Kampagne auf dem Betriebshof der HEAG mobilo am Böllenfalltor der Öffentlichkeit vor. Um 11:45 Uhr fahren wird dann mit unsern Rädern und einem Bus als Kolonne zum Schloss. Komm mit und zeige, dass Überholabstand wichtig ist, damit alle sicher am Ziel ankommen!

Natürlich dürfen auch Kontrollen durch die Polizei in Zukunft nicht fehlen. Besonderes in engen Straßen wie der Bismarckstraße kann rechtlich gesehen kein Fahrrad auf dem Schutzstreifen überholt werden, weil der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Umgekehrt bleibt es weiterhin möglich, an roten Ampeln vorsichtig rechts von stehenden Autos mit dem Fahrrad nach vorne aufzuschließen, wenn genügend Abstand zwischen Auto und Bordstein bleibt.

Zeit: Freitag, 29. Mai 2020, 11:45 Uhr
Treffpunkt: Klappacher Straße 172 vor dem HEAG-Betriebshof

Bitte tragt eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Aktivist*innen erobern sich in ganz Deutschland die Straße zurück: Darmstädter Bündnis demonstriert in Rheinstraße für mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrende

Die Corona-Krise macht deutlich, dass Abstand halten auf unseren Straßen für Fußgänger*innen und Radfahrende vielerorts nicht möglich ist. Die Wege sind zu schmal, Autos nehmen zu viel Platz ein. Aus diesem Grund nehmen die Initiative Radentscheid Darmstadt und die Kreisverbände von ADFC, BUND und VCD sowie FUSS e.V., die TransitionTown-Initiative, Klimaentscheid Darmstadt und Fridays for Future am bundesweiten Aktionstag teil. Das Bündnis richtet einen temporären Radweg auf der Rheinstraße ab Hausnummer 82/Haltestelle Berliner Allee ein.

DARMSTADT  Um ein Zeichen für die Notwendigkeit gut ausgebauter Fuß- und Radwege in der Krise und darüber hinaus zu setzen, hat das Bündnis am Samstag, 23. Mai 2020 ab 12:00 Uhr in der Darmstädter Rheinstraße einen temporären Radweg eingerichtet. Die Aktion ist Teil einer bundesweiten Kampagne zur Einrichtung von temporären Radwegen, so genannten Pop-Up-Bikelanes, in zahlreichen  deutschen Städten. Die Aktiven haben im Rahmen des Aktionstages gefordert, dass endlich mehr Platz für Fußgänger*innen und Fahrradfahrende geschaffen wird.

Radfahrende auf sicherer Popup-Bikelane

Keine rechtlichen Hürden / Es fehlt nur politischer Wille

In ganz Deutschland ist die Anordnung von neuen Radverkehrsanlagen mit der bestehenden Rechtslage im Rahmen der StVO sofort umsetzbar. Es fehlt einzig am politischen Willen der Stadtspitze. Das Land Berlin hat einen bundesweit anwendbaren Leitfaden veröffentlicht, mit dem Städte und Gemeinden rechtssicher arbeiten können. Der Leitfaden liegt auch dem Mobilitätsamt in Darmstadt vor und wartet nur auf seine Anwendung. Durch die Einrichtung von temporären Radwegen wird nicht nur das Infektionsrisiko mit COVID19 erheblich verringert, weil der Abstand zwischen Fuß- und Radverkehr eingehalten werden kann, sondern auch Unfälle vermieden. Das Gesundheitssystem wird so auf doppelte Weise entlastet.

Darmstadt darf die Verkehrswende nicht verschlafen. Im Sommer 2019 hat die Stadtverordnetenversammlung noch beschlossen, alle Darmstädter Hauptstraßen mit einem modernen Radweg auszustatten (Radstrategie: Ziel B2, Vorlage 2019/0157). Die Umsetzung stockt.

Sichere Radwege müssen in der ganzen Stadt eingerichtet werden

Breites Bündnis steht hinter dem Vorstoß

David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt: „Besonders in der Krise zeigen sich die Probleme, die mit der Gestaltung unserer Städte einhergehen: Sie sind für Autos optimiert, nicht für Menschen.“

Sendefähiger O-Ton von David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt, 23. Mai 2020

Sabine Crook vom VCD: „Wer durch Corona verstärkt zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, merkt schnell, dass sich der vorgegebene Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht einhalten lässt. Die Wege sind einfach zu schmal, Straßen und Parkplätze nehmen zu viel Platz ein.“

Klaus Görgen vom ADFC: „Mit unserer Aktion wollten wir darauf aufmerksam machen, dass es dringend eine grundlegende Umverteilung der Flächen braucht – und wie schnell sich das umsetzen lässt, wenn man nur will.“

Katalin Saary von FUSS e.V.: „Damit zu Fuß gehen sicher möglich ist, muss der Radverkehr auf die Straße, wenn möglich mit eigener Spur. Der Platz muss dann den Autos genommen werden.“

Heike Bartenschläger vom BUND: „Um die Städte zukunftstauglich zu machen, muss der Straßenraum zugunsten des Umweltverbundes aus Rad-, Fuß- und ÖPNV neu verteilt werden. Viele Menschen haben in letzter Zeit die Vorzüge des Fahrradfahrens für sich entdeckt. Der Umstieg aufs Rad steigert unsere Lebensqualität insbesondere in den Städten und schützt die Umwelt.“

Sibylle Riffel von TransitionTown: „Mir fällt nicht so schnell etwas ein, was auf vielfältigere Weise zur Gesundung unserer Gesellschaft beiträgt bzw. zu einer Lebensweise, die das Wohlbefinden der Menschen erhöht und gleichzeitig zum Erhalt unseres Lebensraumes Erde beitragen könnte, als Radfahren.“

Maximilan Fies vom Klimaentscheid: „Das Fahrradfahren ist eine wichtige Komponente für einen klimafreundlichen und nachhaltigen Verkehr in den Städten. Daher sind vor allem sichere und gut befahrbare Fahrradwege notwendig, um den Anteil an Kraftfahrzeugen in den Städten langfristig zu verringern.”

Silas Bug von Fridays for Future: „Gerade jetzt zeigt sich das Fahrrad als eine sinnvolle Alternative: Der Nahverkehr wird entlastet und Menschen, die auf ihn angewiesen sind, besonders Menschen in systemrelevanten Berufen, werden geschützt. Durch breite Radfahrstreifen kann das Unfallrisiko, vor allem aber auch das Infektionsrisiko minimiert werden. So können wir einen Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems und nicht zuletzt des Klimas leisten.“

Popup-Radwege haben auch nach der Krise Bestandsrecht

Radwege müssen auch nach der Krise nicht abgebaut werden / Planungskosten halbiert

Da Radwege allein auf Basis des § 45 Abs. 1 und 9 StVO angeordnet werden, müssen Sie auch nach Wegfall des Infektionsrisikos nicht abgebaut werden. Durch die zügige Einrichtung können wichtige Erfahrungen gesammelt werden, um die temporäre Anordnung in eine dauerhafte Lösung zu überführen. Die Popup-Bikelanes sparen auch in erheblichem Maße Planungskosten und lassen sich im laufenden Betrieb flexibel an neue Gegebenheiten anpassen. Felix Weisbrich ist Leiter des Straßen- und Grünflächenamtes des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg und beziffert die dadurch eingesparten Planungskosten um mindestens die Hälfte.

Was normalerweise einen langwierigen Prozess benötigt, geschieht in Städten wie Berlin, Brüssel, Paris, London, New York, Mexico-Stadt und Bogotà nun innerhalb weniger Tage. Quasi über Nacht entstehen hier Fahrradwege wo vorher noch Autos fuhren.

Aktionsvideo zu Popup-Bikelanes in Darmstadt

Pressekontakt

Radentscheid Darmstadt
David Grünewald
0151 22 82 35 53
david@radentscheid-darmstadt.de
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC)
Klaus Görgen
0171 7529001
goergen@adfc-darmstadt.de
FUSS e.V.
Katalin Saary
0151 41 45 71 11
katalin.saary@fuss-ev.de
Verkehrsclub Deutschland (VCD)
Sabine Crook
0163 66 64 020
vorstand@vcd-darmstadt.org
Bund für Umwelt- und Naturschutz
Brigitte Martin
0175 23 44 689
bund.darmstadt@bund.net
TransitionTown-Initiative
Eva Moldenhauer
0178 156 95 29
eva@transition-darmstadt.de
Klimaentscheid
Maximilian Fries
0176 98 59 88 06
info@klimaentscheid-darmstadt.de
Fridays for Future
Silas Bug
0176 43 99 39 89
presse@darmstadtforfuture.de

Der Radentscheid ist eine Initiative Darmstädter Bürgerinnen und Bürger. Die Gruppe führt eine politische Kampagne für sichere und bequeme Radwege im Alltagsverkehr. Der Radentscheid sammelte über 11.282 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gemäß § 8b der Hessischen Gemeindeordnung. In der zweiten Stufe soll ein Bürgerentscheid folgen. Über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens ist noch nicht abschließend entschieden, da eine Klage beim Verwaltungsgericht Darmstadt anhängig ist und derzeit im Rahmen einer laufenden Mediation die Umsetzung der Ziele des Bürgerbegehrens ruht. Der Radentscheid wird von zahlreichen Einzelpersonen, Verbänden und über 70 Darmstädter Einzelhändlern unterstützt. Der Radentscheid ist Teil einer bundesweiten Bewegung, die ihren Ausgangspunkt in Berlin und Bamberg fand. Der Radentscheid ist Vorbild für mittlerweile über 30 weitere Initiativen in ganz Deutschland.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 190.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik und Tourismus. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

Seit 1985 vertritt FUSS e. V. die Interessen der Fußgängerinnen und Fußgänger in Deutschland. Bei allen Fragen zum Fußverkehr sind wir Ansprech­partner für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit. Wir erarbeiten Stellungnahmen und schlagen Änderungen für Gesetze und Richtlinien vor. Weil Gehen als wichtigster Baustein nachhaltiger Mobilität nicht isoliert betrachtet werden kann, arbeiten wir dabei mit Verbänden zusammen, die sich mit Rad-, Bus- und Bahnverkehr befassen.

Der BUND arbeitet auf allen Ebenen und wird von rund 620.000 Menschen unterstützt: Bundesweit gibt es über 2.000 ehrenamtliche BUND-Gruppen, die direkt in ihrer Region die Themen anpacken, die dort wichtig sind. Pflege von Naturschutzflächen, Mobilisierung gegen Massentierhaltungsanlagen oder Aufklärungsarbeit mit Kampagnen sind dabei nur ein Teil. Er engagiert sich – zum Beispiel – für eine ökologische Landwirtschaft und gesunde Lebensmittel, für den Klimaschutz und den Ausbau regenerativer Energien, für den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Er ist einer der großen Umweltverbände in Deutschland.

Die TransitionTown-Initiative engagiert sich für ein krisenfestes und postfossiles Darmstadt. Für soziale Gerechtigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und ein enkeltaugliches Zusammenleben. Sobald Dinge praktisch umgesetzt werden, die man sehen und anfassen kann, verändert sich etwas in der Kultur. Ein spürbarer Wandel greift Raum und die Realität beginnt sich zu verändern.

Der Klimaentscheid ist ein Bürgerbegehren für mehr Klimaschutz in Darmstadt, welches mehr als 5.500 Darmstädter*innen unterstützen. Der KlimaEntscheid fordert neben einer effektiven Verkehrs-und Energiewende auch städtebauliche Maßnahmen, um im Stadtgebiet bis 2030 die Treibhausgasemissionen auf Netto-Null zu senken. Konkrete Ziele sind  beispielsweise ein Klimaticket, mehr Grünflächen, Solaranlagen auf allen städtischen Dächern und sichere Radwege.

Fridays for Future (deutsch „Freitage für die Zukunft“; kurz FFF, auch FridaysForFuture bzw. Schulstreik für das Klima bzw. Klimastreik, im Original schwedisch „SKOLSTREJK FÖR KLIMATET“) ist eine globale soziale Bewegung ausgehend von Schülern und Studierenden, welche sich für möglichst umfassende, schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen einsetzen, um das auf der Weltklimakonferenz in Paris 2015 (COP 21) im Weltklimaabkommen beschlossene 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen noch einhalten zu können

Temporäre Spielstraße in der Wenckstraße

DARMSTADT Das Aktionsbündnis um die Initiative Radentscheid Darmstadt lädt zu einer temporären Spielstraße ein. In der Nähe des Riegerplatzes soll am Sonntag, 17. Mai von 12:00 Uhr bis 18:00 Uhr im Darmstädter Martinsviertel, genauer in der Wenckstraße zwischen Pankratiusstraße und Heinheimer Straße eine temporäre Spielstraße errichtet werden.

aktuelle Situation: Durch Autos beparkte Gehwege, wenig Platz für Spiel in der Wenckstraße

„An diesem Tag sollen Kinder für sechs Stunden Vorrang vor Autos und Verkehr haben, um ungestört zu spielen und zu toben“, erläutert David Grünewald vom Radentscheid Darmstadt und lädt alle interessierten Kinder und ihre Familien zum ungestörten Spiel auf der Straße ein. Das Bündnis aus engagierten Einzelpersonen, Mitgliedern zahlreicher Darmstädter Vereine und dem Radentscheid haben dazu eine Versammlung bei der Stadt Darmstadt angemeldet. In der Wenckstraße wird derzeit auf beiden Straßenseiten mit Autos je zu Hälfte auf dem Bürgersteig geparkt. „Da bleibt wenig Raum für Spielen, was laut § 31 StVO normalerweise auf den Gehwegen mit stattfindet“, so Grünewald weiter.

Die Stadt hat eigentlich die Pflicht, Gehwege frei zu halten, doch sie duldet Falschparken großflächig. Das zeigte sich auch darin, dass nach Willem des Aktionsbündnis wenigstens für die sechsstündige Veranstaltung Autos dort nicht stehen sollten, wo es sowieso verboten ist: Auf den Gehwegen. Die Stadt teilte jedoch mit, dass sie nur mit einem Gerichtsurteil einlenken werde. „In unserer Nachbarstadt Griesheim kann man eine temporäre Spielstraße einfach kostenlos beantragen, in Berlin ruft die Verwaltung sogar aktiv dazu auf. Nur die Stadt Darmstadt hängt in ihrer autozentrierten denkweise fest und will sie mit allen Mitteln verteidigen“, bedauert Grünewald vom Radentscheid.

Die Veranstaltung ist als Auftakt zu betrachten. Auch in anderen Straßen, aller Darmstädter Quartiere, sind temporäre Spielstraßen machbar. Durch die aktuelle Pandemiesituation sind nicht alle öffentlichen Kinderspielplätze ohne Einschränkung nutzbar. Kitas, Grundschulen und damit auch die Spielplätze auf den zugehörigen Geländen können derzeit nur eingeschränkt genutzt werden.

Verweise:

Hinweis für Pressevertreter*innen 

Pressevertreter*innen sind herzlich eingeladen, den Aufbau des temporären Radwegs und die Wirkung vor Ort zu begleiten. Zum wechselseitigen Schutz aller Beteiligten wird um das Tragen einer Gesichtsmaske während der gesamten Veranstaltung gebeten. Radio- und Fernsehteams werden gebeten, den Mikrofon-Windschutz mit Folie abzudecken und eine Tonangel zu verwenden.  Händedesinfektion und einfache Masken stehen in geringerer Zahl auch durch den Radentscheid zu Verfügung.

Illustration Spielstraße